Hawaii

Hawaii 15.1. -10.2.2022 - in Coronazeiten

Anreise 15.1.2022

Wir befinden uns in der Dämmerung. Unwissend ob es nun die Abend- oder Morgendämmerung ist. Ein Phänomen, das man erlebt, wenn man über die nördliche Route, also nördlich des Polarkreises nach Amerika fliegt. Im Winter. Der Tag, an dem wir Europa verlassen haben ist noch nicht zu Ende, der Tag in Amerika bricht gerade an. Schaut man aus dem linken Flugzeugfenster, also Richtung Süd-Westen, sieht man die fantastischen Farben des Sonnenunterganges, der gar keiner ist, denn dort wird die Sonne aufgehen, um an denselben Tag zu scheinen, an dem sie gerade auf der rechten Seite sich verabschiedet hat, also im Nordosten. Das rechte Flugzeugbullauge hat nur grau in graue Farben, Wolken/Nebel in großer Höhe, keine Sicht, zum Nachholen des fehlenden Schlafes der vergangenen Tage bestens geeignet. Ich habe dies schon getan und bin jetzt ein wenig mehr ausgeschlafen.
Wir fliegen nach Hawaii.
Mit Zwischenstopp in Seattle.
Eigentlich sollten wir dort schon im Oktober vergangenen Jahres gewesen sein, doch wen wundert es, Corona hat uns einen Strich durch die Planung gemacht. Wir flogen nach Afrika, weil Amerika bis zum 8. November die Grenzen dichtgemacht hatte.

Jetzt holen wir die Reise nach, lassen uns nicht mehr von Corona stoppen, wenn es die Behörden nicht tun.
Zweimal geimpft und noch dazu geboostert, haben wir alles für unser Immunsystem getan, dass es uns vor dem Virus schützt. Und das Virus ist überall auf der Welt, selbst in der Antarktik ist es angekommen. Es ist eben eine Pandemie, deswegen ist es so ziemlich egal, wo man sich befindet. Das sagt zumindest die Logik. Deswegen sind wir wieder in der Welt auf Wandertour.

Doch es bedarf eines gewissen Standvermögens, eines langen Atems, Ausdauer also, um die Hürden, die zu überspringen sind auch alle zu überspringen und das Flugzeug zu besteigen, dass uns zu unserem Traumziel bringt.
Wir tragen sehr viele Dokumente in Papierform mit uns, die nachweisen, dass wir nicht mit Corona infiziert sind, dass wir geimpft sind, gesund…auf zahlreichen Accounts im Netz habe ich die verschiedenen Dokumente hochgeladen, die das bestätigen. Jede Fluggesellschaft, British Airways, American Airlines, die Behörden in den USA, auf Hawaii, alle wollen Sie sichergehen, dass wir die kleinen Viren nicht mitbringen. Und trotzdem haben sie es ja schon vor uns geschafft, trotz des Papiers, dass die Passagiere vorgezeigt haben, bevor sie in den Flieger gestiegen sind, trotz aller Tests, aller Vorsicht, aller Masken und Händewaschen haben sie sich an Bord geschmuggelt und sind mitgeflogen.

Immer noch fliegen wir in der Dämmerung unter uns eine geschlossene Wolkendecke.
Am 13. Januar, also zwei Tage vor dem Urlaub, ist Oma für immer eingeschlafen. Unser Besuch am 4. Advent war also auch unser Abschied. Schön, dass die Enkel Ihre Uroma noch einmal gesehen haben und sich verabschieden konnten.
Ich glaube das gemeinsame Weihnachtslieder-Singen, erstaunlicherweise hat Oma mitgesungen, war eine prima Aktion und wird mir und allen Beteiligten eine letzte total positive Empfindung/Erinnerung zurücklassen.

Gestern Abend haben wir noch die letzte behördliche Corona-Hürde genommen, einen PCR-Test auf dem Flughafen Düsseldorf gemacht. In Marl wollte kein Testzentrum uns garantieren, dass das Ergebnis des Tests innerhalb von 12 Stunden verfügbar ist. Also haben wir uns ins Auto gesetzt und sind auf den Flughafen gefahren. Hier bekommt man sogar einen Test innerhalb einer Stunde. Kosten 150Euro. Ein riesen Geschäft. Die Zunahme des Bruttoinlandproduktes von 2,8% ist zu 20-25 % Pfizer zuzuordnen. Ich frage mich, wieviel die Testindustrie dazu beigetragen hat?
Mitternacht vom 14. auf den 15. hatten wir dann alle Dokumente zusammen, die wir für das Boarding benötigten.

Es fällt auf, dass alle Behörden, das Vorhandensein eines Smartphones, einer E-Mailadresse, den Umgang mit PC einfach so voraussetzen.

Nach Vorzeigen aller möglichen Tests am Check-In-Schalter, dem Sciherheitscheck, musste man dann an der Theke des Cafes im Wartebereich des Terminal C noch einmal seinen Impfstatus nachweisen, um einen Kaffee zu trinken.
Das ist nur in Deutschland so.
Nach einem schönen Flug übe die Wolken landeten wir bei dichten Bodennebel in London. Die Maschine war nicht voll, doch Heathrow war relativ voll, relativ, nicht zu vergleichen mit einem normalen Montag-Morgen unter Normalbedingungen, wo man in der BA-Longe kaum noch einen Stehplatz bekam.
Der Flieger nach Seattle war noch leerer. Nicht annähernd zu Hälfte gefüllt. Wir saßen ganz hinten in der letzten besetzten Reihe. Jede kleine Turbulenz schüttelte uns also ordentlich durch. Doch größere Turbulenzen hatten wir zum Glück nicht.
Das Essen war zur Kalorienaufnahme geeignet, das beste war noch der Zwischengang, etwa nach 5 Stunden, da gab es Eis. Der krönenende Abschluss war ein Pappbrötchen mit flüssiger Rindfleischfüllung, wahrscheinlich aus dem Reaktor.
Der Flug im Hellen war ganz angenehm.

Gerade war es soweit. Die Sonne hat auf der linken Seite die Dämmerung durchbrochen. Was wie eine weiße Wolkenschicht aussah, war wahrscheinlich eine geschlossene Schneedecke, denn wir fliegen jetzt schon über den Norden des amerikanischen Kontinentes. Das Weiß des Schnees ist in orangefarbene Töne getaucht, die die Sonne auf seine Oberfläche zaubert. Auch aus dem rechten Fenster (wir sitzen ganz am Ende des wenig belegten Flugzeuges und können aus beiden rausschauen) sind jetzt zarte rosa Farben zu sehen, die am Horizont nach oben in helles pastellfarbenes-Blau übergehen.

Na wenn sie, die Behörden, uns in Seattle zurückschicken, so haben wir doch schon ein schönes Erlebnis gehabt. Ich habe den Fotoapparat aus meinem Rucksack geholt und schon die ersten Aufnahmen gemacht. Der Rucksack ist übrigens fast schwerer als der Koffer. Zwei komplette Fotoausrüstungen und die Drohne, ein Buch und die Ladegeräte äußerst kompakt und dicht gepackt, sind ganz schön schwer.

Kurz vor Erreichen von Seattle ging es über die Berge von West-Kanada, schneebedeckt, unberührt, nichts von Skizirkus zu sehen, aber wunderschön aus dem Flugzeug anzuschauen, auf sie herabzusehen.

Die Behörden in Seattle wollten nicht mal unseren ESTA Antrag sehen, keinen PCR-Test, keinen Impfstatus, Nothing (Doch unsere Fingerabdrücke ließen wir ihm als Andenken zurück). Der Grenzbeamte war total nett, der Zoll sammelte nur das Formular ein. Die Koffer nahmen wir vom Band und keine 30 Meter dahinter wurden sie uns wieder abgenommen und eingecheckt nach Hawaii. Etwas umständlich war der weitere Weg, denn wir mussten noch einmal raus, zum Check-in in ein anderes Terminal fahren, die Bordkarten ausstellen lassen. Und siehe da, wir waren nicht im System. Ende Gelände.
Nicht mit unserem Namen im System, nicht mit dem Buchungscode. Selbst das ausgedruckte E-Ticket half nicht weiter. Es zeigte als Flugcompany BA, der Flug erfolgte aber mit Alaska Airlines (nach Hawaii mit Alaska Airlines!). Als ich alle Dokumente ausgebreitet hatte und davon hatte ich ausreichend, stellte sich dann nach etlichen Bangeminuten heraus, dass die Angestellte das Datum vom 16. Januar in die Suche eingegeben hatte. Na so ganz unrecht hatte sie ja nicht, denn in Deutschland war es schon eine Viertelstunde nach Mitternacht. Also am 15. waren wir dann im System, bekamen unsere Bordkarten und mussten nun wieder zu einem anderen Terminal mit dem Zug fahren, und das noch mit Umsteigen. Jetzt sitzen wir vor dem Gate 12 und warten auf das Boarding unseres letzten Teilfluges. Auch in Seattle landeten wir in dichtem Bodennebel und zwar ziemlich abrupt, denn es war nur eine relativ schmale Wolkenschicht, aber eben bis auf den Boden. Wir sind nun bereits über 19 Stunden unterwegs. Die letzte Hürde wird nun die Gesundheitsüberprüfung vor der Einreise nach Hawaii.

16.01. 2022

Die letzte Hürde haben wir auch genommen.
Vor dem Einchecken nach Maui mussten wir auf der Webseite der Hawaiianischen Regierung unseren Travelstatus vorzeigen. Er war rot. Ich mühte mich noch eine Weile über eine halbe Stunde und versuchte, ihn auf grün umzustimmen. Leider erfolglos. Wäre er grün gewesen, hätten wir ein Bändchen bekommen und hätten ungehindert nach Hawaii einreisen können, so mussten wir uns bei Ankunft in die lange Schlange deren stellen, die wie wir nicht alle Dokumente hochgeladen hatten.
Also lange Schlange, einreihen, warten…
Doch es ging ziemlich zügig. Die Frau, die uns bei der Überwindung dieser letzten Einreisebarriere half, wollte nur unseren Impfnachweis sehen, na so richtig auch nicht, denn mit den gelben Impfausweisen, war sie nicht vertraut. Den PCR Test, für den wir so viel Aufwand betrieben habe, interessierte sie nicht.
Und wenn ihr jetzt denkt damit waren alle Brocken beiseite geräumt, nein, waren sie nicht.
Mietauto holen. Dahin fuhr eine schön gemachte Bimmelbahn (ELEKTRISCH OHNE Fahrer, aber die Wagen hatten ein sehr altes Design.
Wir haben ein ECAR. Zumindest steht es so auf den Papieren groß geschrieben mit Filzstift. Die Lady am Schalter fragte ihre Kollegen, was das ist.
Ein Economy-Car. Wahrscheinlich bucht das niemand, außer unserer Agentur. Ich dachte schon wir fahren hier umweltverträglich elektrisch.
Die Übernahme ging zügig.
Die Navigation zu unserer ersten Unterkunft, eher nicht.
Die Beschreibung einer Route von etwa 15 km auf weniger als einer Seite, war nicht üppig und nicht so ganz richtig zu gebrauchen,
Wir nahmen unser Navi, das wir vom Veranstalter erhalten hatten. Kaum eingeschaltet und nach den Anweisungen der Frauenstimme gefahren, schwups waren wir auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums gelandet.
Auch das zweite Mal führte das Navi dort hin. Es war aber eine Sackgasse.
Beim Einschalten hatte ich schon gemerkt, dass das Auto auf der Karte nicht auf der Straße fuhr.
Wir hatten aus den Favoriten unser B&B gewählt, nachdem die Ortseingabe gescheitert war, es gab nämlich gar keine USA im Navi. Als wir uns an die Abweichung Auto und Karte gewöhnt hatten, brachte das Navi uns fast ans Ziel.
Der Frau im Kasten versagte zwar unterwegs die Stimme und wir konnten nur nach der Optik des Navis fahren.
Als wir schon direkt an der Zielflagge waren, ausstiegen, gab es auch ein Haus mit der Nummer 2838, unserem B&B, doch da wartete niemand auf uns. Also rief ich den Vermieter an. Der sagte nur, dass wir nicht bei ihm vor dem Haus stehen, wenig hilfreich. Zum Glück hatte ich von Googlemaps eine Karte vom Zielort ausgedruckt. Mit dieser Karte navigierten wir dann bis zum Ziel und als wir da waren, erlangte die Frau im Kasten plötzlich ihre Stimme wieder und krähte: „Sie sind an ihrem Ziel angekommen.“ Der Vermieter begrüßte uns vom Balkon und bat uns, ins Zimmer zu gehen (Parterre gleich um die Ecke). Essen und Trinken waren im Kühlschrank. Wir packten noch etwas aus und dann tauchte ich ab ins Bett.

Weiter mit Maui vom 16.1. bis 23.1.2022

Weiter mit Big Island vom 23.1. bis 1.2.

Weiter mit Kauai vom 1.2. bis 7.2. 2022

Rückfahrt wieder in der Dunkelheit, die auch den Flieger jetzt völlig einhüllt. Nur das Positionslicht blinkt am Flügel.
Die Flugzeit beträgt über 5 Stunden auf diesem inneramerikanischen Flug und es gibt ein paar Kekse und ein kleines Getränk. Zum Glück haben wir etwas zu Essen mitgenommen. Das Flugzeug ist relativ gut gefüllt, aber bei weitem nicht voll. Auch die Amerikaner halten sich vielleicht noch zurück, was das Reisen betrifft in Coronazeiten.


Der Captain hat gerade 100 Meilen vor uns eine Turbulenzzone angekündigt. Jetzt stürmen alle noch einmal auf die Toilette. Wer weiß, für was es gut ist.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich unter uns, soweit ich schauen kann, dicke Wolken. Wir fliegen also gerade über einen Zyklon. Noch wackelt der Flieger nicht (es ist ein Airbus 321NX).

Unser Flieger wackelt gerade ein wenig, denn wir sind immer noch in einem Gebiet mit Turbulenzen. Jetzt sind die Wolken sehr nah unter uns. Wir fliegen also knapp über dem oberen Wolkenrand. Ich hatte gleich zu Beginn ein Nickerchen gemacht, jetzt schläft der Flieger, die Fenster sind zu, Jetzt wird es ungemütlich. Ich treffe die Tasten kaum noch. Die Tragfläche wackelt ganz gewaltig. Die Sonne ist in etwa auf der Höhe der Wolkenschicht und strahlt fast horizontal die Wolken an. Tja, den Foto kann ich jetzt nicht aus dem Rucksack holen, der ist im Gepäckfach.

Wir haben die Turbulenzen hinter uns gelassen, es rumpelt aber trotzdem noch ordentlich. Unter uns, nun viel tiefer ist immer noch eine geschlossene Wolkendecke zu sehen. Die Sonne ist untergegangen, zumindest unter die Wolken. Jetzt haben wir die rosa-blaue Phase am Himmel, die mir persönlich besonders gut gefällt. Wir scheinen gegen eine Windströmung zu fliegen, den leichte Wolken ziehen am Fenster vorbei. Und es wackelt.

Jetzt geht das Geschüttel wieder los, und der Captain hat die Anschnallzeichen wieder angemacht.

Jetzt ist es völlig dunkel draußen. Ich dachte, wir kommen noch im Hellen in LA an. Die Wackelei ist vorbei und die ersten Sterne oder Planeten sind am Himmel zu erkennen.

In einer halben Stunde landen wir in Los Angelas und werden dort die Nacht in einem Flughafenhotel verbringen.
Morgen geht es über Chicago nach London und von dort nach Düsseldorf. Die Koffer sind schon durchgecheckt.
Unsere zweite Reise unter Coronabedingungen geht zu Ende.

Es war schön.